Samstag, 9. Mai 2009

Abschied nehmen...

Gestern bin ich frühs mit dem Zug nach Passau gefahren, denn ich hatte mit Eva verabredet, ins Theater zu gehen. Wir hatten uns schon lange nicht mehr gesehen und wollen mal wieder Zeit miteinander verbringen. Bei dieser Gelegenheit habe ich auch gleich geschaut, wann Reto wiedermal spielt und so viel die Wahl des Termins eben auf den gestrigen Freitag. Reto hat nur noch ein paar Vorstellungen in Passau zu spielen. Nach fünf Spielzeiten hat er seinen Vertrag mit dem Theater gekündigt, um sich auch an anderen Häusern zu bewerben und mit seiner Freundin in Saarbrücken zusammen zu ziehen. Ich kenne Reto seit seiner ersten Spielzeit in Passau, war bei seinem großen Bühnenunglück dabei und hab ihn daraufhin im Krankenhaus besucht. Seitdem sind wir befreundet und diese Freundschaft hat sich vor allem in der Jesus-Produktion gefesstigt. Ich hab ihn schon immer bewundert, muss ich sagen. Ein unglaublich ehrgeiziger, talentierter Mann, der das Kind in sich nie verloren hat. Er ist witzig, charmant, intelligent und gebildet, steht zu seiner Meinung und hat einn gutes, ehrliches Herz. Und außerdem sieht er noch gut aus. Ich hab mir immer für ihn gewünscht, dass er erfolgreich ist, denn er ist gut und hat es sich auch verdient. Doch um Erfolg zu haben, muss er Passau verlassen und an größere Theater gehen. Das wusste ich auch. Doch er war so lange hier, dass ich schon irgendwie daran gewöhnt war, dass ich ihn sehen konnte, wenn ich es wollte. Und dann hörte ich, dass er weggehe und das hat mich schwer getroffen. Obwohl ich ihn nicht oft gesehen habe, ist er mir doch sehr ans Herz gewachsen und ich hab ihn unheimlich gern. Gestern hab ich mich verabschiedet. Ich kann die nächsten Wochen nicht nach Passau kommen, weil ich viel Uni habe und daher war das meine letzte Gelegenheit, ihn zu sehen. Eva und ich gingen also ins Theater und anschließend mit Reto was trinken. Dann hab ich Eva und dann Reto heim gefahren. Er und ich saßen noch lange im Auto und haben uns unterhalten und wir konnten uns irgendwie gar nicht trennen. Erst als ich wieder ins Auto stieg, kullerte eine Träne über meine Wange, aber es war nicht so schlimm. Doch als ich heute morgen aufstand, musste ich die ganze Zeit immer wieder weinen. Immer wenn ich an ihn denke, kommen mir die Tränen, weil ich das Gefühl habe, ihn zu verlieren. Das ist Quatsch, das weiß ich auch, denn ich kann ihn anrufen und ihn besuchen. Aber irgendwie hab ich einfach Angst, dass ich ihn nicht mehr sehen werde. Es ist ein seltsames Gefühl... Ich will ihn irgendwie nicht gehen lassen.
Ich hab ihm zum Abschied etwas geschenkt. Ein Hörspiel "Der kleine Prinz" gelesen von Ulrich Mühe. Wir beide lieben diesen Schauspieler und ich dachte, der kleine Prinz ist auch die ideale Geschichte, denn darin geht es ja auch um Freundschaft, Liebe und die Welt entdecken. "Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar." Ich finde, dieser Spruch ist genau das, was Reto und mich verbindet. Dass wir einander mit dem Herzen sehen und zwar so, wie wir wirklich sind.
Ich möchte Reto kurz zitieren, denn er ist einer der wenigen Sänger, die zwar erfolgreich, aber trotzdem sie selbst und normal geblieben sind.
"Erfolg verändert den Charakter nicht, er entlarvt ihn." Sehr schöner Satz und sehr wahr. :)Er wird mir sehr fehlen.

LG Vroni

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