Bald ist es wieder Zeit.
Zeit für Weihnachten, Zeit für gute Vorsätze fürs neue Jahr, Zeit, um wieder nach Hause zu fahren.
Das Jahr neigt sich dem Ende zu und einige meiner Freunde reflektieren immer kurz vor Neujahr darüber, was im letzten Jahr geschehen ist, welche Erfahrungen sie gemacht haben und was sie dahin gebracht hat, wo sie nun stehen. 2009 war ein gutes Jahr und obwohl ich großes Heimweh und Sehnsucht nach meiner Familie und meinen Freunden in Europa habe, bin ich froh, nach Kanada gekommen zu sein. Ich habe mich für dieses Auslandssemester und Stipendium beworben und so viel Aufwand hinein gesteckt, dass ich es einfach kriegen musste. Ich wollte es unbedingt und als ich dann die Zusage bekommen hatte, wollte ich am liebsten sofort fliegen. Ich fühlte mich zwar mittlerweile wohl in Wien, aber immer noch nicht wirklich "daheim". Es haben nur sehr wenige meiner Freunde mitbekommen, aber Ende letzten Jahres bin ich für einige Zeit in ein sehr tiefes Loch gefallen und war so deprimiert, dass ich morgens fast nicht aus dem Bett kam. Es gab ein paar Auslöser dafür, aber einen wirklichen Grund konnte ich nicht ausmachen. Gott sei Dank war dieses Tief nach ein paar Wochen überwunden und ich konnte nach den Weihnachtsferien und nach einigen Tagen schwerer Grippe ins neue Jahr starten. Wie gesagt, ich wollte am liebsten sofort meine Sachen packen und nach Montréal fliegen, Maria besuchen, Chaz wieder sehen und einfach in dieser geilen Stadt leben. Ich konnte es kaum erwarten weg zu kommen. Doch dann hat sich Wien verändert, oder ich hab mich verändert, oder ich bin einfach zu meinem Schicksal getragen worden.
Ich habe Lucas kennen gelernt, den ich mittlerweile zu meinen besten Freunden zähle und eigentlich mehr oder weniger schon als kleinen Bruder ansehe. Mit ihm und Theresa hab ich viel Zeit verbracht und oft wurden unsere Nächte lang, der Biervorrat immer kleiner und die Gespräche entweder immer tiefgründiger oder absurder.
Ich habe noch mehr nette Leute in Wien kennen gelernt und Freundschaften gepflegt. Ich würde sagen, ich hatte mir endlich ein "Vroni-Netzwerk" aufgebaut. Meine Freunde aus Schulzeiten oder auch aus Würzburg könnten vielleicht bestätigen, dass ich immer sehr viele Menschen um mich scharre. Ich würde nicht sagen, ich hätte das angestrebt, es hat sich einfach ergeben und um viele Bekannt- und Freundschaften bin ich sehr dankbar.
Meine Homies aus dem Gasometer seien hier genannt, die ein bisschen wie eine große Familie für mich sind. Unheimlich liebe Menschen, aber manchmal auch reiner Terror, so wie eine Familie eben sein kann. Vor allem Manuel, der es einfach immer wieder schafft, mich in den Wahnsinn zu treiben, aber es genauso schafft mit nur einem Augenaufschlag mich wieder zu besänftigen. Vielleicht bin ich einfach manchmal zu deutsch, nehme Dinge viel zu genau. Mein spanischer Freund Antonio hier sagte mir, ich solle doch ein bisschen mehr "Spaniard" sein und mich einfach nicht so viel sorgen. Da hat er vielleicht Recht! ;)
Auch an der Uni fühle ich mich wie zu Hause. Meine Studienkollegen, allen voran Stefan, der mir in den Lehrveranstaltungen der älteren Germanistik tapfer zur Seite stand und viele andere liebe Menschen, die sich oft mit mir durch quälende Unterrichtsstunden schlagen müssen, aber mit denen ich auch einfach viele nette, unterhaltsame und fachliche Gespräche führen kann. Dabei darf auch einer meiner Lehrer nicht vergessen werden: Johannes, ich bin so gerne dein Jünger! :)
Wie vermisse ich meine Fachbibliothek Germanistik hier. Den Harry Potter-Lesesaal mit den dunklen Möbeln, den hohen Stuckdecken und den dunklen Tischlampen, sowie den knirschenden Parkett. Hier sitzt man in Boxen, umgeben von weißen Wänden auf miefendem Teppichboden. Das Licht ist grell und die Bibliothek schlecht ausgestattet. Vor allem das Gesicht meines Lieblingsbibliothekars Gerhard vermisse ich, das mich immer anstrahlte, wenn ich den Raum betrat. Montag Morgen, man muss sich in die Bibliothek schleppen, um eine Hausarbeit fertig zu machen und dann sitzt er da und das Elend wird auf einmal erträglich und wandelt sich in Glückseeligkeit. Ein weiser Mann sagte einmal: Übertreibung veranschaulicht.... ;)
Eine Sache, und die meisten von Euch wissen, was nun kommt, aber ich werde mich zurückhalten, darf nicht vergessen werden: Das Larp natürlich. Wie ich dazu kam, war fast wie die Jungfrau zum Kinde. Eines Mittags ging ich mit Concon und ihrem Freund essen und wir kamen auf Larp. Ich erzählte, dass ich das schon immer mal machen wollte und Concon hielt es für die beste Idee, mich sofort ins Fantasy Flagship zu schleppen und mich als Gardemitglied zu verplichten. Ich war seeehr skeptisch und streubte mich erst dagegen. Auch auf das erste Spiel fuhr ich nur wegen Jürgens Überredungskünsten mit. Aber von da ab und obwohl ich mir eine böse Schulterverletzung zugezogen hatte, war ich hellauf begeistert. Auch hier habe ich tolle Menschen kennen gelernt, mit denen ich auch außerhalb vom Larp was zu tun habe und ich bin fast süchtig nach diesem Spiel! Ihr wisst ja, wenn ich was mache, dann meistens extrem. Das klingt jetzt vielleicht doof, aber ich fühlte mich wirklich unwohl ohne mein Schwert im Zimmer. An Halloween musste ich mir daher für die zweite Party unbedingt ein Schwert besorgen! Das ist zwar nur aus Plastik und weil es so groß ist, wird es auch bei Maria bleiben, aber es steht in meinem Schrank und immer wenn ich es sehe, muss ich über mich selbst lächeln.
So war mein Leben in Wien bevor ich nach Kanada ging. Und ich habe wirklich etwas verstanden: Du beginnst erst eine Stadt wirklich zu lieben, wenn du die Menschen liebst, die in ihr leben. Und so geht es mir mit Wien, der Stadt, die ich lange als meine absolute Albtraumstadt in Europa bezeichnete und in die ich nur gezogen bin, weil es nicht anders ging. Und nun liebe ich Wien und will dort bleiben. Was soll ich nun woanders? Die Leute sagen, dass man erst erkennt, was man hat, wenn man es nicht mehr hat. So ging es mir nicht, denn ich wusste, was ich hatte und wäre am liebsten in Wien geblieben. Aber das ging nicht und ich hätte es mir auch nie verziehen, wenn ich nicht nach Montreal gegangen wäre. Ich hatte viel Heimweh hier, das muss ich zugeben und damit bin ich Maria auch oft auf die Nerven gegangen. Aber ich habe die Zeit auch sehr genossen und genieße sie auch immer noch, obwohl ich heim möchte. Es ist wirklich ein sehr ambivalentes Verhältnis zu dieser Stadt. Ich habe auch noch nicht alle Sehenswürdigkeiten gesehen, weil ich damit immer warten wollte, bis mich jemand hier besuchen kommt, damit ich nicht zweimal hingehe. Das hab ich mir zumindest eingeredet. In Wahrheit hab ich mich aber davor einfach gedrückt. Darum müssen Theresa und Hannah dann die Sightseeingtour mitmachen, wenn sie dann da sind.
Aber was war nun toll an Montréal, an Kanada? Vieles!
Zunächst einmal Maria. Auch wenn wir uns gegenseitig manchmal am liebsten den Kopf abgerissen hätten, ist sie doch meine wichtigste Bezugsperson hier und ich weiß einfach, dass ich mich auf sie verlassen kann. Und ich weiß, ich werde sie sehr vermissen, denn ich glaube nicht, dass wir jemals wieder in der gleichen Stadt leben werden. Aber sag niemals nie! Wer hätte vor zwei Jahren gedacht, dass ich jemals in Kanada leben würde?
Dann natürlich Scott and this I will write in English, so that he can understand it, too. I am so happy, that Maria and he found each other. He drives her crazy in every way and that is what she needs. He makes her happy and I love that he is never stressed, because that stresses her out! *lol* She always tells me, that I am sooo German, but in comparison to him, she is sooooo German and correct!
There was a time this year I started to believe, that there is no true love anymore and that people only make compromises. But watching them really shows me that true love still exists, although this couple thing really gets on my nerves sometimes. ;) It is good to see that they really care for each other because that shows that there is still hope for the sad singles in this world. Sometimes it can be that easy. :)
Natürlich hab ich hier auch nette Leute kennen gelernt, über CISA, über die Uni oder einfach so auf ner Party. Ich hatte ne schöne Zeit und Kanada ist ein cooles Land, denn die Landschaft allein ist eine Reise wert.
Was gab es dieses Jahr noch Nenneswertes? Ja, noch zwei Beispiele für die wahre Liebe. Zwei Hochzeiten, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten, aber aus dem gleichen Anlass und für diese beiden Paare gilt ebenfalls, was ich auch schon bei Scott und Maria gesagt habe. Ihre Liebe zeigt mir einfach, dass es sowas gibt und es lässt mich hoffen, dass auch ich irgendwann jemanden treffe, mit dem es einfach passt und es einfach einfach ist. Ich poste hier mal ein Foto von Franzi und Andi, auf deren Hochzeit ich voller Überzeugung Trauzeugin war und die beide auch einfach wunderbare Menschen und Freunde sind.

Das andere Paar sind Tamara und ihr Mann. Von dieser Hochzeit hab ich leider kein Foto. :(
Wenn ich mir nun so ansehe, was ich aufgeschrieben und was wichtig war in diesem Jahr, dann war es nicht, wieviel Geld ich verdient hab, die guten Leistungen die ich auf der Uni erbracht hab oder wohin ich gereist bin oder was ich gesehen hab. Es sind lediglich die Menschen, die mein Leben lebenswert machen.
A message to all my friends and my family no matter where you are at the moment: I miss you. I care for you. I am happy, when you are happy. I hope we can have a big get together very soon and that it will be like my farewell party was: a lot of drinking, laughing, singing together, until the sun rises in the morning.
I wish everyone of you Merry Christmas and a happy new year and that all your wishes will come true!
Take care
yours Vroni